Kolumne im FFussball-Magazin über die Mädchenförderung

Chaos bei der Mädchenförderung?

In Deutschland gibt es zwar Richtlinien des DFB, regional jedoch unterschiedliche Ansätze bei der Mädchenförderung. Wenn aber der Königsweg noch unklar ist, müssen Experimente doch erlaubt sein.

Von Heinz Reinders

Deutschlands Fußballfrauen sind Weltspitze. Aktuell rangieren sie knapp hinter den USA auf Platz 2 der FIFA-Weltrangliste. Und damit das so bleibt, hat sich der DFB für die Talentförderung einiges vorgenommen: Talentsichtungen ausbauen, zusätzliche Stützpunkt-Trainer, Schul-Kooperationen und Perspektivspielerinnen sportlich und beruflich fördern. Und allgemein gilt für den DFB, dass Leistungsspielerinnen bei den Jungs trainieren, spielen und gemeinsam an den Stützpunkten mit Jungen gefördert werden.

Es gibt aber Landesverbände innerhalb des DFB, die eigene Stützpunkte nur für Mädchen betreiben. Der Niedersächsische Verband etwa unterhält eigene Förderzentren, auch in Schleswig-Holstein, Berlin und dem Fußballverband Niederrhein erfolgt die Förderung an eigenen Standorten nur für Mädchen. Sportwissenschaftlich ist umstritten, ob die Talentförderung von Mädchen besser geschlechtsspezifisch oder aber gemeinsam mit den Jungen erfolgen soll. In anderen Sportarten ist diese Frage in der Regel zu Gunsten der speziellen Mädchenförderung geklärt und wird erfolgreich umgesetzt. Vielleicht ist es im Fußball wirklich besser, wenn talentierte Mädchen bei den Jungs und nach deren Methoden trainiert werden. Für diese Meinung gibt es jedoch keine Studien, die als eindeutiger Beweis herhalten könnten.

Vielmehr zeigen einige internationale Untersuchungen auf, dass die Akzeptanz und Bereitschaft zum Fußball sowie die Motivation, dabei zu bleiben, in reinen Juniorinnen-Teams für die Mädchen höher ist. Und da auch beim DFB das Motto ist „Keine Leistungs- ohne Breitenförderung“, stellt sich die Frage, ob Experimente nicht wünschenswert sind.

Was wäre denn, wenn sich Vereine zusammenschließen und ihre besten Spielerinnen nach modernen Ausbildungsmethoden fördern lassen? Was passiert, wenn hierzu eine Kooperation mit Sportwissenschaftlern einer Universität eingegangen wird und Bundesliga-Spielerinnen unter deren Anleitung die Leistungsförderung der Mädchen übernehmen? Wenn diese Mädchen des Talentförderzentrums regelmäßig gegen Jungenteams spielen? Und was spricht dagegen, wenn die talentierten Kickerinnen in ihren Vereinen nach der gleichen Philosophie wie der Talentförderung ausgebildet werden, weil wiederum ihre Trainer sich regelmäßig fortbilden? Was, wenn das alles keinen Cent kostet?

Das wäre ein neues Konzept, ein Experiment zur Förderung von talentierten und leistungsstarken Mädchen. In Zeiten, in denen es hierzu noch keinen Königsweg gibt wäre es also eine Bereicherung. Die FIFA hat in ihren Programmrichtlinien zur Förderung des Frauenfußballs bis 2015 das Ziel an seine Mitgliedsverbände ausgegeben, mehr Spielerinnen im Breiten- und Spitzenfußball zu gewinnen. Einer der hierfür vorgeschlagenen Maßnahmen lautet: „Stärkung, Beurteilung und kontinuierliche Überprüfung der Struktur zur Förderung des Frauenfußballs.“ Wer könnte dem widersprechen?

Aus: FFussballMagazin, Ausgabe Mai/Juni 2014

Neues aus der Wissenschaft

Anlass für die Übersicht zu Möglichkeiten des jahrgangsversetzten Spielbetriebs von Mädchen bei den Jungen ist zum einen der Umstand eines nachweislichen, körperlich-motorischen Vorsprungs von Jungen gegenüber Mädchen ab der Grundschulzeit. Zum anderen bietet der Deutsche Fußball-Bund durch seine Jugendordnung den Landesverbänden die Möglichkeit, Juniorinnen altersversetzt im Spielbetrieb der Junioren einzusetzen. Insgesamt zeigen die untersuchten Jugend- und Spielordnungen der Landesverbände eine deutliche Hinwendung zu den Grundsätzen des Deutschen Fußball-Bundes. Mehr dazu...