Die Leistungsdiagnostik

Die Spielerinnen des Nachwuchsförderzentrums werden im Verlauf der Förderung intensiv wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse dienen dazu, Folgerungen für die Praxis der Talentförderung abzuleiten und diese weiter zu optimieren. Gleichzeitig dienen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und dem besseren verständnis allgemeiner Prozesse der Talententwicklung und -förderung (engl. TID, talent identification and development). 

Die verschiedenen Tests lassen sich dem kognitiven, dem motivationalen und dem motorischen Bereich zuordnen, wobei das Herzstück der Talentdiagnostik der NFZ-Test der Spielfähigkeit darstellt.

NFZ-TestSpiel

Der NFZ-Test der Spielfähigkeit (NFZ-TestSpiel) ist eine Neuentwicklung der Sport- und Erziehungswissenschaft an der Universität Würzburg. Der NFZ-TestSpiel basiert auf der Beobachtung eines 4-gegen-4-Spiels auf einem Kleinfeld in den Abmessungen 25 x 30 bis 30 x 40 Meter (je nach Altersgruppe). Die Spieldauer beträgt pro Durchgang 2 x 5 Minuten mit einer ca. 2-minütigen Pause zwischen den Spielzeiten. Gespielt wird auf sog. Minitore.

 

Um das Spielfeld herum sind acht BeobachterInnen positioniert, die auf einem standardisierten Beobachtungsbogen Einschätzungen zu den Spielerinnen im Spielverlauf abgeben. Die Fähigkeiten der Spielerinnen werden in den Bereichen Kreatitvität, Spielübersicht, Technik und Zweikampfverhalten eingeschätzt und standardisiert.

Kognitive Leistungstests

Die kognitiven Grundfertigkeiten der Spielerinnen werden einmal jährlich durch den Zahlen-Verbindungstest, einem sprachfreien Intelligenztest zur Messung der kognitiven Leistungsgeschwindigkeit, gemessen (Oswald 2015). Dabei wird durch die Aufgabe des schnellen Verbindens aufeinanderfolgender Zahlen die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung in Bits pro Sekunde, also die Anzahl verarbeiteter Informationen (Zahlen) pro Zeit, erfasst. Dieses Maß ist relevant für die Entwicklung der Spielfähigkeit, weil der ZVT Prozesse der kognitiven Arbeitsgeschwindigkeit erfasst, die auch für eine schnelle Auffassungsgabe und Reaktionsgeschwindigkeit im Spiel relevant sein werden.

Motivationstests

Die Leistungsmotivation der Spielerinnen und ihre Fähigkeit zum Umgang mit sportlichen Herausforderungen wird über neu konstruierte Skalen der sportbezogenen Leistungsmotivation mittels Fragebögen erfasst. Hierbei geben die Spielerinnen an, inwiefern sie sportliche Herausforderungen aktiv suchen und intrinsisch motiviert sind, sportliche Leistungen zu erbringen. Der Fragebogen wird ebenfalls im Jahresturnus zu Beginn des Talentsichtungszeitraums administriert.

Motorische Tests

Als Tests zur Erfassung der motorischen Fähigkeiten wird als ein Teilbereich der t-Test der reaktiven Agilität durchgeführt und für die Belange zur Erfassung der Handlungsschnelligkeit modifiziert. Während im grundlegenden t-Test die Geschwindigkeit einer Bewegungsabfolge im T-Muster gemessen wird (vgl. Sassi et al., 2009; Pauole et al., 2000), erhalten die Spielerinnen beim applizierten t-Test Farbensignale über eine Ampel, die ihnen erst im Verlauf der Bewegung anzeigen, welches Hütchen sie als nächstes anlaufen müssen. Hierdurch wird die Kombination aus Wahrnehmung, kognitiver Informationsverarbeitung und motorischer Schnelligkeit mit Richtungswechseln simultan erfasst und ist entsprechend ein besserer Prädiktor für die Vorhersage von Handlungsschnelligkeit in realen Spielsituationen. 

Neues aus der Wissenschaft

Anlass für die Übersicht zu Möglichkeiten des jahrgangsversetzten Spielbetriebs von Mädchen bei den Jungen ist zum einen der Umstand eines nachweislichen, körperlich-motorischen Vorsprungs von Jungen gegenüber Mädchen ab der Grundschulzeit. Zum anderen bietet der Deutsche Fußball-Bund durch seine Jugendordnung den Landesverbänden die Möglichkeit, Juniorinnen altersversetzt im Spielbetrieb der Junioren einzusetzen. Insgesamt zeigen die untersuchten Jugend- und Spielordnungen der Landesverbände eine deutliche Hinwendung zu den Grundsätzen des Deutschen Fußball-Bundes. Mehr dazu...

Über das NFZ

Das Nachwuchsförderzentrum Unterfranken wurde im Mai 2014 gegründet. Anlass war die Idee, talentierte Spielerinnen zu fördern und dabei den Entwicklungsbesonderheiten von Mädchen gerecht zu werden. Das innovative Konzept zielt dabei darauf ab, die Juniorinnen in ihrer ganzen Persönlichkeit und der Vielfalt ihrer sportlichen Fähigkeiten zu fördern und so den besonderen Anforderungen im Leistungsfußball der Mädchen und Frauen besser gerecht zu werden.

Faire Talentsichtung

Besondere Talente und Fähigkeiten müssen sorgsam entdeckt und gefördert werden, damit sich diese nachhaltig entwickeln können. Es gibt Situationen, in denen Heranwachsende in einer kurzen Testung nicht ihr gesamtes Potenzial entfalten. Deshalb werden im NFZ Spielerinnen über acht Wochen hinweg beim regelmäßigen Sichtungstraining beobachtet und fair in ihren Fähigkeiten eingeschätzt. Dadurch besteht die Möglichkeit, die ganze Spielerinnen-Persönlichkeit kennen zu lernen.